#2

»Jede Pfütze dieses Sommers spiegelt mich wider« Krautzungen#2, das ist nicht weniger und nicht mehr als die völlige Hingabe an die Kunst. »Jede Pfütze dieses Sommers spiegelt mich wider«, das ist die Pflicht eines jeden, sich in sich selbst zu verlieben und das zum Ausdruck zu bringen. Krautzungen, wiederkehrende Kunstveranstaltung mit aktivierendem Charakter, widmet sich am 11.11.2011 der Egozentrik. Hamburger und Berliner Künstler werden an diesem Abend im Westwerk dazu eingeladen, zum Thema Narzissmus aufzutreten und auszustellen. Ausgehend vom Motto der Veranstaltung »Jede Pfütze dieses Sommers spiegelt mich wider« zeichnen Musiker, Künstler, zwei DJs und ein Schriftsteller die Landkarte der Eigenliebe neu. In Fortführung der hausgemachten These, dass es nach einer Welt der Moral nur noch Köpfe geben kann, feiern Popprinz Jens Friebe, das Hamburger Trio Bessere Zeiten, die DJs Heiko Gogolin und SKL (Jorge Wittersheim), Klebebandkünstlerin Fiona Hinrichs, Fotograf Robin Hinsch, der Maler Oliver von Below und der Schriftsteller Fynn Steiner das einzige, was es in unserer Welt zu beklatschen gibt, nämlich sich selbst; als Künstler. Sie führen ein in eine Welt aus Größenwahn und Glam, aus Glitzer und Licht, aus Notstand und Bohème, aus Betäubung und Widerstand. Krautzungen#2 sagt der Gleichförmigkeit des Kulturbetriebs adieu und formuliert mit der Kreuzung von Pop, Kunst und Literatur eine eigene Position. Eine Position, die keine Doktrin, sondern das wilde Wesen ICH postuliert.

Ort: Westwerk

Live: Jens Friebe (Berlin), Bessere Zeiten (Hamburg)
Kunst: Fiona Hinrichs, Oliver von Below, Robin Hinsch, Jorge Wittersheim
Lesung: Fynn Steiner
DJs: Heiko Gogolin (Pingipung) und DJ SKL

Einlass: 20:00UhrEintritt: 12 Euro, VVK 10 Euro (Hanseplatte)

persoenliche einladung von jens friebe

„ jens friebe sang schon von der liebe zu internetgespenstern, als sich pornobilder noch so langsam aufbauten wie zelte. seitdem hat sich sein magisch realistisches, oft niedlich laszives personal um lawinenhunde („lawinenhund“), dominante gutsherrinnen („frau baron“) so wie verstorbene schwule kommunistische dichter („königin im dreck) erweitert und mit ihm der informelle friebe-fanclub. er ist schon lange der popstar der herzen und seine shows die „geheime party, von der alle wissen“.
kleidung: herbstlich festlich.“

 

Krautzungen#2 stellt vor :

Jens Friebe

Popprinz Jens Friebe sang schon von der Liebe zu Internetgespenstern, als ISDN noch das große Ding war. Zu Beginn seiner Karriere fiel sein fein entwickeltes Sensorium für tragische Befindlichkeiten, aberwitzige Andersartigkeit und sexuelle Extravaganz Jochen Distelmeyer und Alfred Hilsberg auf. Mittlerweile ist er mit seinem vierten Album „Abändern“ zum Star einer einzigartigen Kultur von populärer Schönheit avanciert. Im Gewand aus Pop und Glam werden seine lakonischen Beobachtungen zu außergewöhnlichen Hits.

 

 

 

Bessere Zeiten

Das Hamburger Poptrio Bessere Zeiten forscht in Klängen. In Musik und Wort zeichnen sie das Bild der Hamburger Bohème nach, durchbrechen sie liebgewonnene Herkömmlichkeiten und etablieren sich als Ingenieure einer neuen Form unabhängiger Wirklichkeit. Ihre verschachtelten Texte, ihre kollagierte Musik, sind eine Herausforderung an den Hörer, sich als mündiges Wesen zu beweisen. Der Name der Veranstaltung Krautzungen ist eine Wortschöpfung des Sängers und Schlagzeugers Joachim Franz Büchner. Der Begriff kann als exemplarisch für die Band gelten, bezieht sich Joachim mit Krautzungen doch auf unbetretene Gebiete, aktivierende Selbstbehauptung und damit auf die pragmatische Utopie.

 

 

Fynn Steiner Über Fynn Steiner

Fynn Steiner ist ein Schriftsteller des Widerspruchs. Seine Geschichten mäandern zwischen sprachlicher Virtuosität und anarchischer Dumpfheit. Aus der atemraubenden Gegensätzlichkeit des Daseins generiert der Autor einen zynischen Witz, der sich über die Regeln der Komik und Ernsthaftigkeit hinweg setzt und unsere Lebenswirklichkeit souverän in Frage stellt. Fynn Steiners Kurzgeschichten werden bestimmt von der unbändigen Lust am Scheitern, dem Willen nach einer Umwälzung und von der Faszination für den literarischen Schaffensprozess. Sie stellen offensiv die Frage, was Boheme im Deutschland des 21.Jahrhunderts bedeuten kann und geben verblüffende Antworten. Steiner bricht mit dem Glauben an die Mitmachgesellschaft und wirft einen ebenso dramatischen wie amüsierten Blick auf die kruden Irrwege verkorkster Individualisten. Dabei ist er weder sarkastisch, noch pessimistisch. In seinen Geschichten postuliert der Autor den Glauben an die verändernden Kräfte der Literatur, der Kunst und der Musik. Er tritt für eine Realität ein, die sich von Systemen gelöst hat und den Menschen zurück ins Zentrum der Entscheidung katapultiert. Fynn Steiners Helden sind Musiker, Maler und Literaten, die sich intensiv in ihrem Leben verirrt haben und sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen bemüht sind. Hier schöpft der Autor aus dem eigenen Erfahrungsschatz. Steiner ist sowohl als Maler (Pudel Art Basel I&II), als Schriftsteller bei der Lesereihe „Die Gedanken sind Blei“ (Im Zuge dessen erfolgte die Veröffentlichung einer Kurzgeschichte im Supra Magazin II), als auch als Sänger mit seiner Band „Die schmutzige Schönheit der Natur“ in der Bundesrepublik aktiv. Die Band, die erstmals 2009 als Vorband der Hamburger Band „Die Sterne“ ein größeres Publikum erreichte, tourt seitdem in regelmäßigen Abständen und nahm u.a. an Fehmi Baumbachs und Jim Avignons „Friendly Capitalism Lounge“ und Charlotte Chromes Vernissage „Der Boden unter uns“ teil. Die schmutzige Schönheit der Natur war auch eine der ersten Bands, die im besetzten Hamburger Gängeviertel spielten. Gemeinsam mit der Hamburger Musikgruppe „Bessere Zeiten“ organisiert die Band das wiederkehrende Kunst& Musikfestival „Krautzungen.“ 2009 erschien die Vinyl- Single „Für immer Oktober“ auf dem Hamburger Kleinstlabel „Spitzgefühl.“ Für Anfang 2012 ist das Debutalbum auf Alfred Hilsbergs Label „ZickZack/ What’s so funny about“ geplant. Die deutschen Songtexte der Schmutzigen Schönheit der Natur, die Fynn Steiner schreibt, finden oft auch ihren Weg in seine Geschichten. Gleiches gilt für Steiners Texte zur Kunst, die in Kooperation mit dem DJ& Fotografen Jorge Wittersheim auf dem Kunstblog „Eskalaparty“ erscheinen und sich mit aktuellen Ausstellungen im norddeutschen Raum auseinander setzen.

 

Robin Hinsch

Der Fotograf Robin Hinsch ist ein Sammler des Spektakulären im Unspektakulären. Mit einem Schuss aus der Hüfte skizziert er ganze Lebensgeschichten aus Verzweiflung und innerer Aufruhr, aus offenem Widerstand und Apathie. Nüchtern zeigt er, wie die Seltsamkeit aus der Unkulturlandschaft Nordheide sprießt. Kaum jemand hat Niedersachsen so intensiv verstanden wie er. Robin Hinsch geht darüber hinaus, er bildet die Adoleszenz in Konfrontation mit der Hamburger Subkultur ab und erzählt in seiner Arbeit die Geschichten von jungen Künstlern, Musikern und Rebellen. Charakteristisch ist in seinen Bildern das Aufzeigen von Bruchmomenten. Er bildet ab, wie sich Instinkt und Vernunft einen erbitterten Zweikampf liefern. Zumeist ist es die Leidenschaft, die über den Verstand siegt. Es sind die brennenden Hotels, die verspeichelten Mikrofone,die Molotowcocktails im Anschlag und die Seelen im Bierschaum.
Nach Studium in Karlsruhe und Hannover hat Robin Hinsch für die Fortführung seiner Studien die HAW/HfBK ausgewählt.
Für Krautzungen#2 gewährt er Einblick in seine legendären Archive aus Musik, Gewalt und Extravaganz. Seine Arbeit trägt den Titel „Becoming the Instant Cobra“.

 

Fiona Hinrichs

Im Zentrum der Arbeiten von Fiona Hinrichs steht der unterbewusste Surrealismus. Ihre Kunst eröffnet einen spielerischen Einblick in die Eigenart des Alltags und die Komplexität der Abseitigkeit.
Aus prismatischem Licht erheben sich ihre Klebebandkaskaden, schwingen sich ihre dadaistischen Wortspiele in höchste Höhen, senken sich ihre skurrilen Skulpturen herab auf das verwöhnte Auge des Realisten.
Fiona Hinrichs enttarnt die Wirklichkeit als potemkinsches Dorf. Ihre Kunst proklamiert die glamouröse Parallelwelt der Unvernunft. Dort tanzen bunte Riesenstrohhalme mit Butzenglasscherben, da reibt sich Typographie an Intellekt und es strahlen Narzissen von reinem Esprit.
Mit großer Leichtigkeit spürt die Künstlerin in Typographie, Skulptur und Fotografie der Konstruktion der Wahrheit nach.
Unsere bourgeoise Lebenswelt enttarnt sie als Oberfläche.
Immer wieder beweist Fiona Hinrichs, dass Echtheit und Kausalität nicht notwendigerweise zusammen gehören. Stattdessen verweist sie auf die verschlungenen Pfade der Andersartigkeit.

 

Jorge Wittersheim

Galerist und Videokünstler Jorge Wittersheim ist zweifellos ein Experte für den Puls der Zeit.
Immer wieder gelingt es ihm in beeindruckender Manier, die interessantesten Momentaufnahmen der Kulturszene zu schießen.
Jorge drehte das erste Video für Die Sterne, arbeitete in Sachen Damien Hirst für die Schmutzige Schönheit und konzipiert derzeit ein Video für die unverwechselbaren Bessere Zeiten.
Als Veranstalter der ART Wriedel ist es ihm geglückt, Fehmi Baumbach und Die Schmutzige Schönheit der Natur aufeinander treffen zu lassen, Bessere Zeiten, Fiona Hinrichs und Robin Hinsch.
Die Idee zu seiner Lichtinstallation für Krautzungen #2 kam dem Künstler auf der diesjährigen ART Wriedel. Seine Arbeit verheißt Goldene Zeiten.

 

Oliver von Below

Oliver von Belows Malerei erhebt sich als urgewaltiges Beschreien der emotionalen Verfasstheit.
Sie bricht mit der kapitalindividualistischen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts und wirft einen provokanten Blick auf das widersprüchliche Wesen der Dinge.
Von Belows Bilder schockieren mit Dreifachpenissen, polarisieren mit Hakenkreuzsonnen und tätowieren einen Smiley auf die Denkerstirn. Im Zentrum seines erratischen Kreuzfeuers steht der Künstler selbst. Oliver von Below, aufgewachsen zwischen Eton und Buchholz i.d. Nordheide, malt den Gegensatz. Er zeigt sich als animalisch Verfremdeten, als politischen Agitator im Fegefeuer der ironischen Distanz und als modernen Dandy. Das Opus Magnum des Malers ist der „Hampelmann“.
Über der englischen Kreideküste steht breitbeinig die riesenhafte Figur eines weißbärtigen Weisen in kurzen Hosen und Turnschuhen. In den Händen präsentiert der Alte einen Pinsel, einen Cutter und einen herausgeschnittenen Embryo. Über ihm schweben Hakenkreuze am Himmel, unter ihm liegen die Gräber. Selten ist Selbstbefragung so poptauglich komponiert worden. Nur selten war der Blick in die eigene Vergangenheit genauso lustig, wie sezierend. Jeder Pinselstrich stellt hier mit Dringlichkeit die Frage: „Drehen wir noch oder durch?“
Der Maler entwirft mit seinem „Hampelmann“ eine Landkarte des Verlustes, die in ihrer dramatischen Exaktheit dem Werk des englischen Romanciers Edward St Aubyn gleicht. Spielerisch nimmt er die „Schönen Verhältnisse“ einer stilisierten Vergangenheit und einer durchgestylten Gegenwart auseinander.
Zu sehen war von Belows Kunst bereits in der niedersächsischen Provinz, auf dem Garlstorfer Kunstfest (2009 und 2010) und in der Hamburger Hausbesetzerszene, im Gängeviertel (2010). 2011 stellte er auf dem Skandaløs Festival aus.

 

Heiko Gogolin

Heiko Gogolin, dieser Name steht für Geschmack.
Ob als CEO von Pingipung, Grandsigneur der Videospielwelt, als Musikjournalist oder Gast von Siri Hustvedt: der umtriebige Universalexperte durchwirkt den Sound unserer Nächte.
Als DJ brilliert er als Exeget des erzählenden Songs. Bei seinen Sets werden Momente zu einem Amalgam aus Instinkt und Intellekt. Heiko Gogolin legt nicht einfach Songs auf, er lässt sie hochkochen. Heutzutage ist Heiko Gogolin Musik. Was kaum einer weiß: früher war Heiko auch Rapper

 

DJ SKL

DJ SKL besticht durch Selektion. Sein Auflegen ist die Reihe durch die Untiefen der unpopulären Musik, das Klettern auf den Olymp des Pop und das Dinner im Hotel Elektro. DJ SKL mixt die Geschichte der Musik, die Ästhetik des Besonderen und den Klang des Neuen zu einem Cocktail namens Vision.
Jeden ersten Donnerstag im Monat versammelt er Künstlerfreunde zum Krautzungenstammstisch in der Yoko Mono Bar. Seit vielen Jahren ist sein Artblog „www.eskalaparty.de“ ein Schmelztiegel für Musik, Literatur und Kunst.

 

 

 

 

 

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